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27.6.2009 von Mrs. Tapir.
Es freut mich ungemein, dass das Wattenmeer als Weltkulturerbe anerkannt ist.
Ich weiß, dass viele, auch viele Deutsche, das Watt nicht wirklich kennen und es höchstens mal als enttäuschende Schlammzone erlebt haben, die bei Ebbe die Nordsee weit hinaus getrieben hatte und einen um den Anblick einer blauen, endlosen Meeresfläche betrog…
Blick auf das Watt bei Morsum
Vor Jahren schrieb ich eine Erzählung, in der das Watt die Hauptrolle spielt: Die Bank am Watt
Plötzlich war vor ihnen das Watt aufgetaucht, eine endlose Weite, so weit, dass es unmöglich schien, alles mit einem Blick zu erfassen. Sie musste den Kopf nach beiden Seiten wenden, um das Panorama ganz einfangen und in sich aufnehmen zu können. Das Auge glitt über glitzernde, mit kleinen Wasserpfützen besprenkelte, dunkle Schlammfelder hinweg über helle Wasserstreifen, über schimmernde, sich dehnende, glatte oder auch vom Wind gekräuselte Wasserflächen bis an den Horizont. Hier verdichtete sich das Wasser zu einem dunkelblauen, breiten Strich, der sich über die ganze Breite des Horizontes hinzog und das scheinbar endlose Watt gegen den noch um ein Vielfaches größeren Himmel abschloss. Der war überall, hinter dem Watt, über dem Watt und auch an den Seiten, wo das Wattenmeer an Land grenzte und Dünen den Horizont markierten. Der Himmel schien allgegenwärtig und hatte von der Welt nur dieses eine, kleine Stückchen festen Boden übrig gelassen, genau die Stelle am Ufer, auf der sie stand und schaute.
Strandläufer im Watt
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23.5.2009 von Mrs. Tapir.
frisches Maigrün am Lehnitzsee
Ruhebank im Kurpark Bad Sassendorf
Mai im botanische Garten in Jena
Mai in der Uckermark
Maiwiese an der Horizontale über Jena
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12.4.2009 von Mrs. Tapir.
Er hat so furchtbar lang gedauert, dieser Winter. Doch jetzt ist der Frühling also wirklich da. Ein unglaubliches Osterwetter!
Meine ganze wunderbare Feiertagsfreude bestand darin, in der warmen Sonne im Garten herumzulaufen, zu sähen, zu wässern, meine neuen Flaschentropf-Einrichtungen auszuprobieren, zu schneiden und zu pikieren, zu setzen und einzupflanzen. Besonders aufregend war es, mit bloßen Händen in der weichen, vorher umgegrabenen Erde zu wühlen, um Daumen dicke Wurzeln eines Hopfen ähnlichen Unkrautes aus dem Boden heraus zu ziehen, die wie unterirdische Wasserleitungen in zwei “Etagen” ein Stück unseres Gartens durchzogen. Ich werde sie in einem Karton trocknen und dann verbrennen. Alles andere ist mir zu riskant.
eine riesige Kiste voll Wurzeln dieser unglaublich vitalen aber unerwünschten Pflanze…
Endlich kann wieder draußen gegessen, geruht, geplaudert, gelesen werden. Der Pool zum Wassertreten ist auch wieder bereit, überall stehen unsere großen Wasserbottiche, randvoll mit Brunnenwasser gefüllt - das Regenfass ist schon lange leer.
die Teichrose entwickelt jeden Tag eine neues Blatt
Noch ist der Garten eigentlich kahl. Aber ich freue mich - wie wohl jeder Gärtner - über jedes neue Blatt, jede grüne Spitze, die aus der Erde kommt, auch über die bestimmt tausend Sämlinge unserer Wunderpflanze, dem Springkraut, die grüne Teppiche bilden und stehen bleiben dürfen, bis der Garten selber und ohne ihren Beitrag grün geworden ist.
In 4 Wochen wird es gar nicht mehr möglich sein, einzelne Pflanzen oder gar Blätter zu beobachten. Und in zwei Monaten besteht der Garten nicht mehr aus einzelnen Beeten und Pflanzen, sondern aus einer Fülle von grünen Flächen und Durchblicken und aus bunten Tupfen, die über all das Grün ausgegossen wurden. Aber bis dahin begrüße ich noch jedes Blatt und jede Blüte einzeln.
Die letzten Blütenstengel aus dem Vorjahr, die uns im kahlen Winter und Vorfrühling wenigstens eine kleine Ahnung vom Sommer vermittelt haben, sind bald nicht mehr nötig.
Gruß aus dem letzten Sommer - bald brauchen wir ihn nicht mehr…
Und in meinem Gartenhaus stehen die pikierten Pflänzchen aufgereiht und werden hoffentlich wachsen und gedeihen, bis sie nach den Eisheiligen raus dürfen: Levkojen, Landnelken, Astern, Strohblumen, Standflieder, Fuchsschwänze, Bechermalven und Löwenmäulchen…..
lauter kleine, frisch pikierte Blütenpflanzen - jetzt müssen sie nur noch wachsen
Andere haben sich größere Projekte vorgenommen. Kranich macht endlich seinen Traum vom Spargelbeet wahr.
Unsere Garten-Arbeitsteilung (Kranich kümmert sich um alles alles was man essen kann, also Gemüse und Obst. Ich sorge für Blumen, Stauden und Sträucher) klappt hervorragend.Ab und zu gibt es kleine Grenzstreitigkeiten um die Frage, ob irgend eein Quadratmeter unseres brandenburgischen Sandbodens zum Gemüsebeet oder schon zum Blumenbeet gehört. Aber letztlich sind unsere Reviere gleich groß und ausgewogen. Mir schmecken die Tomaten under freut sich doch über die Blumen, deren Namen er sich nicht merken kann…
hier entsteht ein Spargelbeet
Mir gelingt es über dem Garten alles zu vergessen: meine Arbeit und was ich alles noch vorbereiten müsste, die Krise und andere Sorgen, sogar manchmal meine Flöte …
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31.3.2009 von Mrs. Tapir.
Auszug aus meiner Trilogie:
Friedhofsgespräche - Teil II - Denkmal für meine Mutter
Du lebtest wieder in Dresden, als das erste Schuljahr langsam zu Ende ging. An einem blauen Märztag des Jahres 1927 hattest auf deinem Schulweg durch den Blüherpark die ersten Schneeglöckchen entdeckt. Der Lehrer kam an diesem Morgen in den Klassenraum, grüßte die Kinder stumm, schrieb mit großen, klaren Buchstaben an die Tafel: „Er kommt….“ und wandte sich dann mit fragendem Gesicht an die Klasse. Die Kinder schwiegen erst verwirrt, bis sie begriffen, was der Lehrer von ihnen wollte. Dann schnellten die Finger hoch. „Der Lehrer kommt“, posaunte stolz ein Junge heraus. „Nein“, der Lehrer schüttelte den Kopf. Diese Antworte wollte er nicht. „Der Vater kommt“, „die Mutter kommt“, „das Kind kommt“, „der Mann kommt“, „die Frau kommt“… Immer wieder schüttelte der Lehrer bestimmt und geheimnisvoll seinen Kopf und nahm das nächste Kind dran. Schließlich kamst du an die Reihe, die du vom ersten Moment die richtige Antwort gewusst hast. „Der Frühling kommt!“ jubeltest du in die Klasse. „Du“, sagte der Lehrer, „du kannst dich auf der Vogelwiese sehen lassen“.
P.S. Die Vogelwiese ist der Jahrmarkt in Dresden , vermutlich heute noch?
Apfelbäume warten auf den Frühling
Vorfrühling am Bach
Der Frühling zieht in Jena ein
.
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25.10.2008 von Mrs. Tapir.
hier ist meine Anka noch vor
wenigen Tagen herumgestromert….
für Anka
Die Sommerastern sind verblasst wie alte Bilder.
Oktober müde liegt das Feld.
In diesem Herbst kann ich
die Müdigkeit der Bäume fühlen
mit jedem Blatt,
das fällt.
Sanft kommt das Sterben,
still und blass.
Ich habe so oft über sie geschrieben. Ihr Tod kam erschütternd plötzlich. Unser Garten, unser Haus sind auf einmal leer. Meine Anka ist fort: ein lebendiges Wesen, dass sich immer wie verrückt gefreut hat, wenn ich kam, auch wenn ich nur kurz am Auto gewesen war, ein Wesen, dass uns mit ihrer Freundlichkeit und Zuversicht, mit ihrer intensiven Gegenwart und ihrer Fähigkeit, Glück zu finden in den winzigsten Kleinigkeiten ihres Lebens.
Wir werden lange brauchen, um nicht mehr mit Schmerz an sie zu denken. Vergessen werden wir sie wohl nie.
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30.9.2008 von Mrs. Tapir.
oder nicht?
Wir jedenfalls hatten noch im April kaum zu hoffen gewagt, dass es in unserem Garten wieder blühen und grünen wird.
Wir können nicht klagen. Alles war sehr hoch und auch ziemlich üppig. Wahrscheinlich hat dem Garten die 30 cm Erde gutgetan, die wir wegen des Hochwassers im Frühjahr auftragen mussten. Es gab viel zu tun.
Dann war da noch mein runder Geburtstag, der Sommer gab freundlicher Weise noch ein paar kleine Intermezzos und wir konnten mit einem spätsommerlichen Garten die Gäste erfreuen, in dem der Herbst sich schon ankündigte aber die Sonne noch alles in Grüngold tauchte. Und abends gab es noch eine Ahnung von blauen Sommernächten.
Ein paar Tage später scheint es vorbei. Noch steht alles, aber die kalten Nächte werden dazu führen, dass unsere großen Fuchsschwänze, die Schmuckkörbchen, die letzten Löwenmäulchen und als erstes die Kapuzinerkresse mit einem Mal aufgeben und in sich zusammenfallen werden. Dann heißt es Beete aufräumen, Herbstarbeiten in Angriff nehmen, Laub vom Rasen kehren…
Vor ein paar Tagen haben die großen Birken aus dem Nachbargarten noch ihre kleinen Nüsschen über alles geschüttet. Birkennüsschen waren geradezu allgegenwärtig. Jetzt folgen die gelben Blätter. Bald sind die Kronen leer.
Esmacht wieder Spaß, abends am Feuer zu sitzen.
Ich hoffe auf einen schönen Oktober.
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22.9.2008 von Mrs. Tapir.
Das Gewimmel und der Trubel in Paris’ Tourismus-Meilen war nicht länger als ein paar Stunden auszuhalten. Immer wieder zog es mich in ruhige, beschauliche Ecken. Außer dem Jardin du Luxembourg waren wir in einer ganzen Reihe von Pariser Parks:
Im Parc du Monceau, einem kleineren Par, in dem wir ausschließlich Franzosen trafen, die hier joggten, Zeitung lasen, Familien, die ihren Nachwuchs hinter sich herzogen, Leute, in Gespräche vertieft, Paare aber auch Menschen, die ganz alleine auf Bänken saßen und vermutlich ihren Feierabend genossen haben.
Wir fuhren zum Park Buttes Chaumont, im Nordosten von Paris, ein alter Steinbruch, der in einen Park mit See, Felsschluchten und Hügelreihen verwandelt worden ist und der mit wunderbaren Blumenbeeten bestach.
Natürlich waren wir auch Jardin des Tuileries, wo wir einige Zeit den Holzschiffchen auf dem Teich zusahen, die mit ihren bunten Segeln über die Wasserfläche zum anderen Ufer trieben, wo schon ein kleiner Junge oder ein Mädchen - mit einem Stock “bewaffnet” - ungeduldig wartete, um es erneut auf Fahrt ins große Wasser los zu schicken.
Wunderbar war der kleine Park auf der Spitze der Ile de la Seine. Hier versteckt sich ist ein kleines Paradies für Liebespaare und Menschen, die mitten in Paris ihre Ruhe haben wollen.
Der ungewöhnlichste Park war ein 2 Kilometer langer Streifen, der oben auf einer alten Bahntrasse angelegt war. Hoch über der Straße läuft man durch Rosenbeete, gepflegte Anlagen und Rasenstreifen. Überall laden Bänke ein. Mancher hat hier hin seinen Heimweg von der Arbeit gelegt, andere sitzen mit vollen Taschen nach einem Einkauf zum Verschnaufen im Park . Vom Lärm der Straße bekommt man nichts mit.
Und dann war da noch der kleine mittelalterlich Garten de Cluny, unmittelbar an dem belebten Boulevard des Saint- Germain. Nur ein paar Meter weiter, wie weggezaubert aus der hektischen Welt, saßen wir da, lasen und lauschten dem Wasser der kleinen Brunnen und den Gesprächen der anderen Gartenbesucher.
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27.7.2008 von Mrs. Tapir.
Frühlingsglaube
Die linden Lüfte sind erwacht
sie säuseln und wehen Tag und Nacht.
Sie schaffen an allen Enden.
Oh frischer Duft, oh neuer Klang,
nun armes Herze sei nicht bang,
nun muss sich alles, alles wenden.
Die Welt wird schöner mit jedem Tag.
Man weiß nicht, was noch werden mag,
das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal.
Nun armes Herz, vergiss der Qual.
Nun muss sich alles, alles wenden.
Ludwig Uhland
Und dann ist noch all das da, was ich liebe, was ich erleben und erlauschen will, solange meine Augen, meine Ohren mitmachen.
Da ist mein Garten im Verlaufe der Jahreszeiten, die flirrenden Birkenblätter vor dem tiefblauen Himmel über meiner Hängematte, das Leuchten der Blüten vor dem satten Grün, der junge Specht, der sich zu uns verirrt, die ersten Keimlinge im April, die ich vor Elstern und Schnecken verteidigen muss, die Schatten- und die Sonnenplätze, der Kaffee im Schutz der Bäume, ….
Und da ist der Wald, der Wald in dem ich die ersten Schritte gemacht habe, der hohe Hildesheimer Wald und all die anderen Wälder, die im Sommer nach Harz riechen und im Winter nach Eicheln, wo auf Moospolstern mitten zwischen dichten Bäumen die Sonne eine kleine Waldlichtung mit Wärme tränkt, wo ich im Gras liege und in den Himmel blicke hinter den leicht wogenden Kiefern. Der Wald war mir stets ein Ort des Friedens, ein Ort, wo ich alle meine Sorgen und Ängste weglegen konnte. Hier war ich Mensch aber umgeben von Natur, von einer Welt, die mich als Gast duldete aber zärtlich und nachsichtig mit mir war.
Das Meer kenne ich erst seit meinem 18. Lebensjahr, aber ich meinte sofort damals, es schon immer gekannt zu haben: den weiten Horizont, den endlosen Blick in den Dunst an der Wassergrenze, das Rauschen, das sich einen Dreck schert um alles, was am Strand los ist, das immer weiter rauscht und keinen Menschen zu brauchen scheint. “In allen Lebenslagen”, so heißt ein Spruch, den ich immer beherzigt habe, “hilft Salzwasser: Tränen, Schweiß oder das Meer”. So ist es.
Ich liebe die Natur zu allen Jahreszeiten. Früher liebte ich am meisten den Herbst. Je älter ich werde, desto mehr warte ich auf den Frühling. Es tut gut, sich, wenn man selber nicht mehr im Frühling steht, zu vergewissern, dass die Erde nicht alt wird und sich ständig erneuert. Wenn Äste, die vorher wie totes Holz im kalten Februar standen und im Regen glänzten wie Metall, wenn die auf einmal zu leben beginnen, wenn sie grün schimmern und dann das Chlorophyll aus ihnen hervorbricht, wenn nackte Felder und gelbgraue trockenstarre Wiesen vom Vorjahr mit einem Mal vor Grün und Kraft strotzen, dann erlebe ich so etwas wie die Erneuerung meines Glaubens an die Kraft der Natur. Und ich bin stolz, in diesen Kreis hineinzugehören. Ich könnte meine Jahre nach Frühlingen zählen.
Und die Sterne, die Blüten, die kalten kristallklaren Seen in Brandenburg, die Bäche und Flussläufe, das Feuer. Das habe ich noch vergessen. Ich möchte noch oft im Garten oder im Zimmer sitzen und in die Flammen schauen, in diese vernichtende Lebendigkeit und Hitze, ich möchte die Funken sprühen sehen, zuschauen, wie dicke Holzscheite sich durch die Flammen verwandeln in verkohlte Pflanzen, wie plötzlich Wachstumsstrukturen wieder sichtbar werden und Zellverbände, Jahresringe. Und ich möchte dabei sein, wenn das Feuer am Ende sich als glühende Asche bescheiden und vertraulich zurücknimmt und schließlich erlischt.
Aber nicht nur die Natur berührt mich mit ihrer Schönheit. Auch die Schönheit, die Menschen geschaffen haben, erreicht mich, zumindest da, wo sie nicht aufgepeppt, in Plastik verpackt und schrill auf mich zu kommt. Alte Städte, Gebäude, in denen die Steine die Gewölbe noch tragen, Brücken, denen man ihre Aufgabe noch ansehen kann, Plätze, auf denen Menschen sich treffen, Straßen, die eine Landschaft durcheilen wie ein Strom aber auch die Via Appia, die Kilometer lang gesäumt ist von riesigen wilden Oleanderbüschen, all das erzeugt Lust und Freude bei mir. Und natürlich Musik, die bescheidene erst einmal, die ich selber machen kann und die große, die ich nur anhöre: Barock, Schubert, Beethoven, Lieder aus Irland, meine Beatles, so viele alte Popsongs, die meine Jugend und mein späteres Leben begleitet haben und mir Heimat sind. Kunst liebe ich auch, wenn sie nicht als Massenprodukt oder als etwas auf mich zukommt, was ich zu kennen habe, was man gesehen haben muss. Ich liebe den Tanz, das Verschmelzen des menschlichen Körpers mit der Musik. Und vor allem liebte und liebe ich die Dichtung, die Sprache, die sich wie ein Vogel von der Erde abheben kann und dann viel mehr ist als ein Mittel zur Verständigung, die zu schimmern beginnt, zu leuchten, zu summen, die Versprechungen macht, Visionen eröffnet, die ans Herz greift und die mich hinweg trägt aus der Wirklichkeit ohne die Wirklichkeit zu vertuschen. Ich liebe die Dichtung genau so wie die Wirklichkeit, manchmal mehr.
Und - zugegeben- , ich liebe das Autofahren, meinen PC und das Fotografieren.
Menschen liebe ich auch, nein nicht alle. Ich bin kein Philantrop, kein Menschenfreund, keiner der immer unter Menschen zu Hause sein kann und auch dort sein muss, einfach weil es Menschen sind. Ich achte sie, ich bestehe auf ihrer Würde und auf ihrer Gleichwertigkeit, egal wo sie herkommen und was sie sind und haben. Aber lieben kann ich nur wenige von ihnen.
Etwas anders ist aber das: ich brauche sie. Natürlich brauche ich sie und vielleicht brauchte ich sie immer mehr, als ich sie bekommen habe. Das sind alte Wunden. Möglicherweise liegt es an mir selber, dass die Menschen für mich nicht das waren, was sie hätten sein können, meine Menschen. Ich bin misstrausch und ängstlich gewesen vor ihnen. Vielleicht hätte ich mich selber mehr um Menschen kümmern müssen.
Doch ja, das werde ich vielleicht auch noch tun: mich mehr um andere Menschen kümmern.
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13.7.2008 von Mrs. Tapir.
Nachtanbruch
Aus dem Kronen der Eichen
senkt sich die
Dunkelheit
über das Land,
sanft und lautlos
und unerbittlich.
In den Zweigen erstirbt
der klagende Laut eines Vogels.
Mein Herz flattert
ein wenig.
Dennoch,
wenn der letzte helle Streifen
im Westen erloschen ist,
hat es
bereits Ja gesagt
zur Dunkelheit.
M. Seithe
Als ich klein war, wollte ich entweder ein Engel ohne Körper oder aber eine Pflanze ohne Seele sein. Die Kombination von Körper und Geist erschien mir schon damals als Zumutung.
Es gab Zeiten, wo ich ihn fast vergessen habe, meinen Körper, wo ich ihn behandelt habe wie einen alten Sack, der mich umhüllt, der aber nichts mit der Person zu tun hat, die ich bin.
Eins mit meinem Körper war ich nur in Zeiten, in denen ich diesen Körper gebraucht habe als Quell von Freude und Lust: beim Wandern, wenn ich rechtschaffen müde war, wenn ich mich meiner Augen, meiner Ohren freuen konnte, wenn ich mit meinen Fingern etwas ertasten durfte, das mich lächeln machte: Das Fell eines Teddybären, ein Stück Moos, die Wange eines Kindes, das Haar des Geliebten… Und auch in den Zeiten, in denen meine sexuelle Lust für mich selbstverständlich war wie das Trinken und das Atmen. Aber das war nicht immer in meinem Leben so.
Ich denke heute, dass mein Schwanken im Bezug auf Sexualität auch etwas mit der geringen Beachtung und Wertschätzung meines Körpers zu tun hatte. Ich habe ihn nicht geliebt, er war mehr selbstverständliche Beigabe, mehr Last als Lust. Nicht nur, dass ich mich nie besonders schön gefunden hätte. Ich habe mich nicht mit meinem Körper identifiziert. Ich, das waren meine Gefühle, meine Gedanken, meine Pläne… aber mein Körper?
Und nun, da ich alt werde, stelle ich fest, dass dieser Körper es vor allem ist, der alt wird und mich mitzieht in das Schwachwerden und Vergehen. Körperliche Leiden stellen sich mir und meinen Plänen immer öfter in den Weg. Und alles an mir verliert die Kraft, die Straffheit, die Glätte, die Spannkraft. Ich muss meinem Körper folgen und ich begreife langsam, dass ich es bin, der da leidet und schwach geworden ist. Denn wenn er aufgibt, werde ich sterben.
Wenn ich einen neuen Personalausweis beantrage und gefragt werde: “172 cm groß, stimmt das?”, dann nicke ich, weil das immr meine Größe war. Und ich denke erboßt, dass ich – heute gemessen – nur mehr 169 cm groß bin. Die Bandscheiben verabschieden sich.
Ich beginne allmählich zu bedauern, dass ich mich meines Körpers nicht mehr gefreut habe, als ich noch jung war, dass ich ihn nicht mehr geliebt, geachtet, gepflegt und wertgeschätzt habe: meine Beine, meine Füße, meine Arme, meinen Leib, meinen Schoß, meine Brust, meinen Hals und mein Gesicht. Wenn ich es genau überlege sind meine Hände die einzigen Teile meines Körpers, zu denen ich eine liebevolle Beziehung habe.
Wenn ich meine Hündin betrachte, so kann ich sie ohne ihren Körper gar nicht denken. Und sie ist ganz und gar eins mit ihm. Wie kommt man bloß als Mensch auf so absurde Gedanken, dass man sich meint über seinen Körper erheben zu können?
Diejenigen, die ihn mit viel Aufwand und Mitteln versuchen, ewig jung zu halten, haben seine Bedeutung offenbar besser erkannt, aber sie haben ihn in seiner Wirklichkeit genauso wenig angenommen. Sie versuchen ihn aus zu trixen, seine Natur zu leugnen.
Den Alterungsprozess annehmen können, das wäre es. Damit habe ich noch immer zu kämpfen. Wohl komme ich mühsam den Entwicklungen hinterher, aber sie sind leider schneller als meine Bemühungen und Einsichten.
Aber ich kann es schon hören, ganz leise, mein Herz sagt ja.
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6.6.2008 von Mrs. Tapir.
Fabeln
Mechthild Seithe
sowas bevölkert mitunter meine Träume
Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber…
Ein Wolf trottete durchs Land und kam an einem Kälberstall vorbei. Die Kälber darin blökten aufgeregt und der Wolf lugte neugierig durchs Fenster.
“Was ist bei euch denn los?”, fragte er und überlegte, ob er es wagen könnte einzusteigen und ein kleines Kalb mit sich fortzureißen.
“Wir diskutieren. Morgen ist Wahl!”, verkündigte ein Kalb stolz.
“Was für eine Wahl?”, fragte der Wolf erstaunt.
“Schlächterwahl!”, sagte das Kalb altklug. „Der Fuchs war hier und hat uns mitgeteilt, dass wir in diesem Jahr den besten Schlächter wählen dürfen. Und der, den wir auswählen, der darf uns dann schlachten.”
“Der Bruder Fuchs ist ein Scherzbold”, grinste der Wolf. Aber als er merkte, dass es die Kälber ernst meinten, fragte er: “Und was muss er können, euer Kandidat?”
“Stark muß er sein und schön”, schwärmte das erste Kalb.
“Viele von uns sind auch dafür, dass es vor allem ein Schlächter mit Tradition sein sollte, einer, der schon unsere Eltern und Großeltern geschlachtet hat. Da weiß man doch, was man hat”, ergänzte ein anderes Kalb.
Der Wolf entschloss sich spontan, zu kandidieren, weil er sich große Chancen ausrechnete.
Aber die Kälber entschieden sich für den Schlächter vom Schlachthof am Dorfanger. Denn dort waren ihre Eltern schon hingegangen, wenn es so weit war. Außerdem blinkte dort neben dem Eingang eine silberne Tafel in der Sonne, auf der stand: “Schlachthof Weißenhagen”. Die gefiel den Kälbern ausnehmend gut. Sie erinnerte an die Zinnen eines Schlosses.
Der Wolf ärgerte sich und verfluchte den Fuchs, der diesen dummen Tieren so viel Entscheidungsfreiheit zugestanden hatte. Der Fuchs aber kannte einen Durchschlupf zum Schlachthof, und fraß er sich dort an den ausgeweideten Gedärmen nach Herzenslust satt.
Die Freiheit der Mütter
Wildschweinszene aus dem Kurpark in Bad Sassendorf
Ein wilder Eber stand mit hängender Zunge am Zaun und guckte sich die Augen aus nach einer dicken rosa Sau, die hinter dem Zaun in einem Gehege mit ihren Kindern im Schlamm wühlte. weiterlesen
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