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Archiv der Kategorie Kinder haben

er kommt …


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Auszug aus meiner Trilogie:

Friedhofsgespräche - Teil II - Denkmal für meine Mutter

Du lebtest wieder in Dresden, als das erste Schuljahr langsam zu Ende ging. An einem blauen Märztag des Jahres 1927 hattest auf deinem Schulweg durch den Blüherpark die ersten Schneeglöckchen entdeckt. Der Lehrer kam an diesem Morgen in den Klassenraum, grüßte die Kinder stumm, schrieb mit großen, klaren Buchstaben an die Tafel: „Er kommt….“ und wandte sich dann mit fragendem Gesicht an die Klasse. Die Kinder schwiegen erst verwirrt, bis sie begriffen, was der Lehrer von ihnen wollte. Dann schnellten die Finger hoch. „Der Lehrer kommt“, posaunte stolz ein Junge heraus. „Nein“, der Lehrer schüttelte den Kopf. Diese Antworte wollte er nicht. „Der Vater kommt“, „die Mutter kommt“, „das Kind kommt“, „der Mann kommt“, „die Frau kommt“… Immer wieder schüttelte der Lehrer bestimmt und geheimnisvoll seinen Kopf und nahm das nächste Kind dran. Schließlich kamst du an die Reihe, die du vom ersten Moment die richtige Antwort gewusst hast. „Der Frühling kommt!“ jubeltest du in die Klasse. „Du“, sagte der Lehrer, „du kannst dich auf der Vogelwiese sehen lassen“.

 

P.S. Die Vogelwiese ist der  Jahrmarkt in Dresden , vermutlich heute noch?

 

 


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  Apfelbäume warten auf den Frühling

 

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 Vorfrühling am Bach

 

 

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 Der Frühling zieht in Jena ein

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Pariser Sommerfest am Bassin

Das große Bassin, an der Metrostation “Stalingrad” gelegen, und durch den Canal Saint Martin gespeist, hatten wir schon in den ersten Tagen unserer Pariszeit entdeckt.

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Hier ist Paris nicht all zu sehr herausgeputzt. Hierher verirrt sich wohl auch nicht so oft ein Tourist. Dafür aber ist hier die Pariser Bevölkerung hier zu Hause.

An einem unserer letzten Tage gerieten wir zufällig mitten in ein Sommerfest, dass entlang der Ufer des großen Bassins gefeiert wurde.

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Entlang des Ufers waren große Sandkästen für die Kleinsten aufgeschüttet und mitten drin - bequeme Liegestühle für die Muttis und Vatis - ein super Idee, fanden wir.

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Am meisten aber hat uns der öffentliche Tanz beeindruckt: eine Tanzfläche, Musik vom Band, jede Menge begeistert  und ausdrucksstark tanzende Paare jeder Altersgruppe

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und rings herum Zuschauer, Leute, die gleich auch mittanzen würde, auf ihre tanzwütigen Mütter wartende Kids,

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und z.B. auch wir….

Da waren Leute einfach nur fröhlich und ungezwungen. So viel spontane Lockerheit und Lebensfreude und gleichzeitig so viel  Eleganz und Musikalität dürfte man in Deutschland vermutlich lange suchen.

Der Abschied

Mechthild Seithe

Erzählung

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Sie ist froh, dass er wirklich gekommen ist. Jetzt ist sie doch froh darüber.
Zuerst sind ihr die heftigen Auseinandersetzungen eingefallen, die es jahrelang zwischen Heinrich und Wolfgang gegeben hat. Aber das ist nun schon lange her. Sie hat Wolfgang angerufen, als es mit Heinrich anfing, kritisch zu werden.

Sie hat ihn zwischen zwei Konferenzen erreicht. Er war auf der Stelle bereit, her zu kommen.
Bestimmt wird Heinrich auch in seinem Zustand noch begreifen, dass sein Sohn da ist. Und er wird sich freuen.
Der Mann ist zögernd in der Tür stehen geblieben. Sie versucht, in seinen Zügen zu lesen. Er steht da und schaut ins Zimmer. Über seine Gestalt fällt ein Streifen Sonnenlicht, das durch die heruntergelassenen Jalousien fällt. Der Mann blinzelt. Die ins Dämmer hinein gestreute Helligkeit in diesem Krankenzimmer scheint ihn zu überraschen. Was hat er erwartet von dem Ort, an dem er seinen sterbenden Vater besucht?
Es gibt keinen Grund, Trübsal zu blasen. Ingrid ist froh, dass der helle Tag bis in dieses Zimmer und bis an sein Bett dringt und ihn vielleicht noch einmal die Wärme der Sonne ahnen lässt. Es war den ganzen Tag düster und unfreundlich draußen. Seit ein paar Stunden aber hat es aufgehört zu regnen und nun steht der Himmel klar und blau über der Stadt. Und über die Krankenzimmerwände laufen nun blendende Sonnenbänder und überschütten die kahlen Flächen und die kühlen Gegenstände dieses dämmrigen Raumes streifenweise mit flirrendem Licht. Heinrich hat seit Tagen die Augen geschlossen.
Ingrid wirft einen sorgenden Blick auf den Mann, neben dem sie seit Tagen sitzt und dessen Hand sie die ganze Zeit hält. Sie spürt, wie Rührung in ihr aufsteigt beim Anblick des Gesichtes, das ihr so sehr vertraut ist. Sie kennt es wütend und zornig, sie hat es lustig erlebt, betrunken. Aber auch zärtlich hat sie dieses Gesicht gesehen, zerfließend und weich in der Lust. Jetzt ist es einfach nur ganz still und gefasst. Aber es ist nicht leer. Oh nein, leer ist es nicht.
Ingrid ist so froh, dass sie seinen Ärzten nicht geglaubt hat. Es ist sehr wohl wichtig für ihn, dass sie hier bei ihm sitzt. Auch wenn er fast immer die Augen geschlossen hat, auch wenn er nicht mehr spricht: Sie ist sich ganz sicher, dass Heinrich alles mitbekommt, was um ihn herum geschieht. Die Ärzte sprechen seit Tagen vom Wachkoma. Aber sie weiß es besser. Sie ist schließlich seine Frau. Seit 15 Jahren ist sie seine Frau, eine ziemlich lange Zeit immerhin! Wenn sie seine Stirn mit dem kühlen Tuch vorsichtig abtupft, spürt sie seine Dankbarkeit, sieht sie, wie seine Augenlieder zur Ruhe kommen wie besänftigte Kinder.
So intensiv wie jetzt waren sie in all den Jahren fast nie beieinander. Meist hat er sich gewehrt, wenn sie ihn mit Zärtlichkeiten bedrängte. Aber jetzt lässt er sie ganz nah an sich heran. Jetzt, wo es bald vorbei sein wird, jetzt ist sie ihm so nah wie nie vorher. Er ist anders geworden, weicher. Er wird sich auch über Wolfgang freuen. Sie ist froh, dass Wolfgang so schnell gekommen ist.

weiterlesen

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mal wieder: Kuscheltiere

wen es interessiert:

Ich habe vor ein paar Tagen - flankierend zu meinem neuen gleichnamigen Forschungsprojekt - das Kuscheltier-Blog eröffnet. (www.kuscheltier.meinglashaus.de)

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Ich werde dort Ergebnisse, Hypothesen und Fragen aus meinem Forschungsprojekt ins Netz stellen und hoffe auf interessante Kommentare und Fachbeiträge von Kuscheltier-Experten aller Altersstufen.

Die Kinder sind wieder fort - Unterm Strich - VII.

 

 

Gedanken an die Tochter
Die Jahre, die ich ganz in deiner Nähe war,
sind längst Vergangenheit.
Die Zeiten, wo ich hätte
meine Tochter trösten können,
sie sind vorbei und sind vielleicht vertan.
.
Mir bleibt es nur, zu wünschen und zu hoffen,
dass dir das Leben nicht nur Wunden schlägt
und irgendwann die Liebe dir begegnet und auch bleibt
und zart und so, wie Mütter und Geliebte es nur können
mit sanfter Hand die Tränen dir von deinen Wangen streift.

.

Mechthild Seithe

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Mit sechzehn hatte ich beschlossen, keine Kinder zu kriegen. Mit 30 fing ich an, mich nach einer eigenen Familie zu sehnen. Ich hatte den Wunsch, Kindern diese Welt zu zeigen, die Schönheiten und all das, weshalb es sich lohnt, zu leben. Ich hatte die Vorstellung, sie schützen zu können vor dem, was diese Welt an Hässlichkeiten und Brutalitäten zu bieten hat. Zumindest traute ich mir zu, sie widerstandsfähig und stark zu machen.


Viele Jahre meines Lebens war dann Familienzeit. Das Kinderhaben dominierte mein Denken und die Zeit, die mir neben der Arbeit blieb. Es gab viele wunderbare Erfahrungen und Momente in dieser Zeit. Unsere Fotoalben sind voll mit Bildern der drei Kinder.
Neulich habe ich zur Vorbereitung meines 60. Geburtstages Fotos von mir gesucht und festgestellt, dass in all diesen dicken bunten Alben fast keine Bilder von mir sind.

Die Phase meines Lebens, die ich vor allem Mutter sein sollte, habe ich genossen. Sie hat aber auch an meinen Kräften gezehrt.
Die gesellschaftliche Anerkennung, die ich plötzlich abbekam, seit und weil ich nun auch Mutter war, hat mich irritiert. Ich hatte nie das Gefühl, nun endlich ein Ziel erreicht zu haben, eine Erfüllung zu erleben, die mir gefehlt hatte. Ich identifizierte mich weiterhin mit Frauen, die als Frauen und nicht als Mütter ihr Leben meisterten.
Für mich hat das Kinderkriegen nie notwendig zum Leben gehört oder gar zu einem erfüllten Frauenleben.

 

Dennoch habe ich also drei Kinder bekommen und sie inzwischen auch groß gekriegt. Die Ältesten sehe und spreche in großen Abständen, weiß ein wenig von ihrem Leben, aber das Wichtigste weiß ich wahrscheinlich nicht.
Die Jüngste wird im Herbst anfangen zu studieren. Im Vorfeld braucht sie mich noch sehr. Das Große, Neue vor ihr, macht ihr noch ein wenig Angst, sie möchte wie ein Kind gestützt und getröstet werden. Aber ich denke - und hoffe - dass ihr neues Leben sie mitreißen und auch von mir und meinem Rockzipfel fortreißen wird.

Dann wird es auch für sie gelten: Ich bin für meine Kinder nicht mehr alltäglich nötig und auch nicht mehr wirklich wichtig für ihr Alltagsleben (vielleicht noch wichtig im Hintergrund, das schon) und ich bin darüber - ehrlich gesagt - eher erleichtert.
Als ich 43 war und an einer scheußlichen Migräne litt, tröstete mich eine Ärztin mit der Vermutung, dass diese Migräne aus meinem Leben wieder verschwinden könnte, wenn meine Kinder älter sein würden.
So war es. Weit über 24 Jahre lang war mein Leben von den Kindern bestimmt, beeinträchtigt, natürlich auch beglückt, erfüllt…. Als es nun vorbei ging, fand ich wieder zu mir.

Natürlich mache ich mir auch heute Sorgen um sie, bin bedrückt, wenn es ihnen nicht gut geht, freue mich, wenn sie vorbeikommen oder anrufen, wenn ich sie sehe.
Wenn sie mich brauchen, stehe ich auf der Matte, natürlich. Ich bleibe ja ihre Mutter und stehe auch dazu. Und ich wünsche ihnen von ganzem Herzen, dass ihr Leben erfüllt sein möge.

Aber auch in meinem Leben spielen sie nicht mehr die Hauptrolle. Ich bin längst wieder nicht mehr nur Mutter sondern eine Frau mit einem eigenen Leben.

Irgendwo in mir steckt die Sehnsucht nach einer anderen Beziehung zu meinen Kindern, einer eher freundschaftlichen, einer, die nicht nur auf der Mutter-Kind-Beziehung basiert sondern darauf, dass wir uns gegenseitig wirklich sympatisch sind und uns was zu sagen haben. Vielleicht gibt es sowas. Vielleicht ist das eine Illusion und all die vielen Familienzusammengehörigkeitseuphorien um mich herum beruhen eben doch nur darauf, das Blut dicker ist als Wasser.

Natürlich liebe ich meine Kinder. Aber ich stelle fest, dass sie wenig mit mir wirklich teilen.. Sie wissen nicht, was mich bewegt. Und wenn ich es ihnen versuche zu sagen, hören sie weg, so wie sie immer weghörten, wenn Mutter was erzählte. In unserer Verbindung war alles darauf ausgerichtet, dass es ihnen gut ging, nicht mir. Ich spüre nicht, dass sie wirklich Interesse an dem Menschen haben, der ich heute bin, an meiner Arbeit, meinen Gedanken, meinen Befürchtungen, an meinem Glück. Wenn sie sagen, dass sie mich lieben, so gilt das der Mutter, die ich für sie war und irgendwo im Hintergrund immer sein werde. Nicht aber mir als Mensch. Für sie bin ich nichts als ihre Mutter. Ihre Mutter und ich, dass ist nicht ganz und gar die selbe Person.
Ich nehme es ihnen nicht übel. Dennoch macht es mich traurig.

 

 

Ich bin in meinem Beruf tagtäglich mit jungen Menschen zusammen. Inzwischen sind meine StudentInnen durchweg im Alter meiner Kinder. Und ich lerne hier junge Menschen kennen, die ich interessant, sympatisch finde, von denen ich mir wünschen würde, dass sie mir vertrauter wären, mit denen ich gerne befreundet sein würde.
Natürlich bin ich Mutter meiner Kinder und würde immer zu ihnen stehen, für sie da sein, wenn sie mich brauchen, aber ob ich wirklich mit ihnen befreundet sein möchte, ich weiß es nicht.
Sicher wären Sie traurig oder eifersüchtig, wenn sie das wüssten.

 

Vielleicht habe ich da was falsch gemacht. Mag sein. Aber es ist nun so wie es ist und ich bin nicht mehr nur das Muttertier und auch nicht das Korn, dass sterben muss, damit das junge Pflänzchen aufgehen kann, ich bin wieder ich.

Enkel habe ich keine, sind auch keine in Sicht. Ich weiß, dass sich dadurch manches ändern kann und könnte. Ich kenne so viele Menschen in meinem Alter, die durch das Erleben des Heranwachsens der nächsten Generation eine Erfüllung in ihrem Leben finden. Ich vermisse es nicht. Wenn es so käme, ich weiß nicht, wie ich mich verhalten würde.

.

 

 

Schöne neue Welt - Unter dem Strich - VI.

 

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m.s. Wien

 

An die Nachgeborenen
Dies ist keine Welt,
die wir euch mit Stolz hinterlassen.
Dies ist das Reich des Wolfes im globalen Pelz.
An seinem Hof herrscht der allmächtige
Spaß, und das Gerappel der Kassen
füllt die Hirne und Herzen.
Wir haben versucht, unsere Welt zu verändern.
Darüber sind wir alt geworden.
Diese hier wollten wir verhindern.
Es ist uns nicht gelungen.

 

Heute gehe ich angewidert und tatenlos
ein und aus in der plastikknisternden Welt
des Wolfes. Hofnärrin und müde.
Das Leiden der Menschen sehe ich
auf dem Bildschirm und manchmal
an den Straßenecken. Noch immer
schlägt dann mein Herz die Hände
vors Gesicht und weint. Ihr aber
schreitet achselzuckend mitten durch.
Das macht mich traurig.

Mechthild Seithe

 

 

 

 

 

Wir wollten eine andere Welt, als wir 68 wach wurden und die Augen aufrissen.
Unsere Kämpfe und Bemühungen haben eine Epoche eingeleitet, die sich mit ein paar Jahrzehnten Verzögerung nun gegen uns und gegen die Menschheit richtete:
Der Markt, immer erkannt als der Feind wirklicher Menschlichkeit, aber wie es uns schien, gezähmt durch die Absicherungen und Eindämmungen des Sozialstaates, den wir glaubten mit gestaltet zu haben, dieser Markt übernahm vor etwa 15 Jahren im vollen Umfang die Weltherrschaft.
Als das große Experiment der Menschheit im 20. Jahrhundert, der Versuch einen anderen Weg für die Welt zu wählen als die Allmacht des Marktes, einen Weg, der versuchte, Gerechtigkeit und Menschlichkeit umzusetzen und die Klasse der Besitzenden abzuschaffen, damit alle besser leben könnten, als dieser Versuch einer sozialistischen Gesellschaft kläglich und bitter scheiterte, konnte der Markt endlich frei durchatmen und seine Fesseln sprengen.
Seit dem scheint er nicht mehr zu halten: Alles was Profit bringt, ist in Ordnung, ist notwendig. Egal, was mit den betroffen Menschen passiert, egal was mit den Produkten angerichtet wird, egal, wen es trifft, egal wohin es führt. Selbst die wenigen Versuche, der gegenwärtigen Gesellschaft, die verheerenden Perspektiven der von Menschen eingeleiteten Umweltkatastrophen einzudämmen, führen unter der Regie des Marktes zu noch größeren Katastrophen: U.a. weil die Amerikaner jetzt Biosprit fahren wollen, um die Umwelt zu schonen, bricht in vielen Teilen dieser Erde eine neue Hungerkatastrophe aus.


Man versucht es uns weiszumachen - aber nein, wir leben nicht in einer globalen, einheitlichen Menschheit: sie ist geteilt in arm und reich und sie ist aufgeteilt in die erste Welt, die zu jedem Preis die erste bleiben will, die neuen Industrieländer, die ihrerseits die ersten werden wollen und angesichts ihrer Produktivität und ihrer Menschenmassen es wohl auch schaffen werden und in die dritte Welt, die für all das zahlen soll. Und diese Fronten und Interessengegensätze werden mit Kriegen ausgetragen: Mit Waffen und mit Lebensmittelpreisen, mit Guantanamo und mit der Jagd nach Andersdenkenden.
Und niemand hier in unserem lieben, befriedeten Deutschland nimmt davon Kenntnis. Der Quark wird teuer. Ärgerlich für die Hartz IV Empfängerin, ärgerlich auch für mich. Aber warum sollten gute Nahrungsmittel billig sein? Dass in Südamerika und Taiti die Menschen vor Hunger anfangen, die Läden zu plündern, kommt vielleicht als aufreizendes Foto mal am Rande in der Tagesschau. Aber wen juckt das?
Wenn heute in Deutschland die Arbeit weggenommen wird, freuen sich die Menschen in einem anderen Land, dass dort Arbeitsplätze geschaffen werden. Wenn heute hier die Arbeit weggeht, kann man mitgehen und dann eben in China leben. Alles scheint denkbar. Die Risikogesellschaft macht fast alles möglich. Es gibt kaum noch Grenzen, weder real noch finanzielle noch moralische.
Die Jungen krempeln die Ärmel auf und versuchen in diesem breiten, reißenden Strom zu schwimmen. Viele erreichen irgendwo ein fruchtbares Ufer. Andere werden untergehen.

 

Armut in Deutschland


Mit dem Kapitalismus der 70er und 80er Jahre lebte ich nicht gerade ausgesöhnt aber doch so, dass ich meine Freiheit genießen, mein anders Denken bewahren und dabei gut leben konnte.
Die heutige Welt aber macht mir Angst. Ich fürchte, meine Kinder werden in einer toten, formalistischen, in einer entmenschten Welt leben und sich in einer von brutalen Angriffskriegen geprägten Zeit
über Wasser halten müssen, in der die westliche Welt ihre Überlebenskämpfe ausführt.

Und ich habe Angst, dass sie und all die anderen das gar nicht merken, weil sie es nicht anders kennen und keine Alternative wissen. Und auch keine träumen.
Der Markt ist inzwischen in allem gegenwärtig und gilt als Motor, als Seele jeder Entwicklung.
Der entfesselte Kapitalismus kam von Anfang an daher wie eine Naturgewalt: nationale Grenzen schwanden, die Globalisierung stand ins Haus und die technischen Erfindungen unserer Zeit, die Zeit- und Raum überwindende Technik des Internets, die Computer, die Logistik, die Länder und Kontinente zusammenschrumpfen ließ und schließlich die Gentechnologie ließen sich weder bremsen noch kontrollieren. Sie waren da. Und wie am Beginn der Menschheit die Beherrschung des Feuers alles auf den Kopf gestellt haben dürfte, was bis dahin gegolten hatte, so ist es auch heute. Nichts ist wie vorher. Nichts scheint mehr zu gelten. Bewährte Sicherheiten und moralische Festungen lösen sich auf. Wer sagt, dass die Welt gerecht sein sollte? Wer sagt, dass alle Menschen einen Anspruch haben, in Würde zu leben? Die Ungleichheit zwischen den Menschen ist der Motor für den Fortschritt der Menschheit, sagen statt dessen die Diener und Dienerinnen des Marktes.

Die alte Welt, allen voran die USA versucht längst – nachhaltig – ihre Vormachtstellung und ihren Reichtum in dieser Welt zu sichern, indem sie sich die Zugänge für Rohstoffe unter den Nagel reißt. Wenn es sein muss, durch Krieg, durch Betrug, durch die Unterstützung von Kräften, die die Menschen unterdrücken und auspressen. Und all das wird moralisch verkauft als Kampf gegen den angeblich so teuflischen Terrorismus, als menschliche Geste und Verantwortung dafür, dass die Welt demokratisch, friedlich gestaltet wird. Tatsächlich ist es der Versuch, die Welt so hinzukriegen, wie sie am besten in die eigene Vorstellung passt.

Wenn Sie ehrlich wären würden Sie Klartext reden: “Würdest du nicht auch kämpfen, wenn am Horizont ärgerliche, hungrige, verzweifelte Leute auftauchen, die dir deinen Hof und dein Gut streitig machen könnten? Würdest du nicht auch versuchen, den anderen ihre Schätze wegzunehmen, wenn du keine mehr hast, mit denen du dein bisheriges Leben weiterfinanzieren kannst. Jeder ist sich selber der Nächste. So war es immer. Alles andere ist Geschwätz.“

Fast wäre mir eine Welt lieber, in der die Motive für das so offen ausgesprochen würde. Statt dessen wird die westliche Welt hingestellt als Hort der Menschenwürde, die es überall zu verteidigen gilt: am Hindukusch, in China, im Iran, …..

So wurden alle Kriege begründet seit Menschengedenken. So outet sich der Mensch als Tier, dass seine Teretorien verteidigt ohne Rücksicht auf Verluste. Nur würden Tiere dies nicht präventiv machen sondern erst, wenn sie sich wirklich bedroht fühlen. Aber wozu hat der Mensch seinen Verstand?

Aber würde sein Verstand es nicht auch hergeben, eine Welt zu schaffen, die anders, wie man so schön sagt “menschlich” funktioniert? Hatten wir nicht vor Jahrhunderten schon die Aufklärung? Hatten wir nicht schon genug Bewegungen, Philosophien, Gesellschaftstheorien, die weit über dieser Rudeltheorie standen, die der entfasselte Kapitalismus heute verbreitet - mit  weissgepuderten Pfoten und mit Kreide in der Kehle? Und der die Welt damit paralysiert wie King Kong hinter seiner Mauer das Eingeborenendorf?

Diese neue Welt ist mir fremd, bereitet mir Magenschmerzen, ödet und ekelt mich an.
Ich habe das Gefühl, dass am Ende meines Lebens alle unsere Hoffnungen und Ziele ihrer Erfüllung nicht näher gekommen, sondern ganz weit weggerückt sind.

Vielleicht liegt dieses Gefühl auch einfach nur daran, dass ich mich als “Alte” ausgeliefert fühle, nicht mehr viel machen kann, keinen Einfluss mehr habe, nur noch warne und aufkläre, aber nicht gehört werde.
Es ist um mich zu laut. Es ist nicht mehr meine Welt. Sie gehört den Jungen. Klar. Aber das kann ich durchaus akzeptieren.

Schlimm ist nur: was wir den Jungen da überlassen, ist ein trauriges und bedrohliches Kapitel der Menschengeschichte.

Es ist nicht so, dass alle die Kälte und gesichtslose Härte des entfesselten Kapitalismus bejubeln. Es zeigen sich Gegenreaktion, z.B. eine Welle der Entdeckung religiöser und esoterischer Lebenserfüllung. Es entstehen kleine, in sich geschlossene und brave, keineswegs  aufsässige oder gar revolutionäre Bewegungen, wenigsten im kleinen Raume Menschlichkeit zu verwirklichen.
Auch das konservative und zum Teil faschistische Gedankengut, was sich in unserer Gesellschaft wieder breit macht, die Akzeptanz und Duldung von Gewalt gegen Schwächere aller Arten, diese latente Akzeptanz in der Bevölkerung aber auch in der Politik und z.B. bei der Polizei, diese Gewalt und Kaltschnäuzigkeit scheinen mir  Zeichen dafür, dass die Menschen sehr wohl  reagieren auf diese neue Markt gesteuerte Kälte. Aber das Schlimme ist: Sie reagieren jenseits von Menschlichkeit und allen Errungenschaften der Aufklärung. Der Aufstand gegen die Kälte der turbokapitalistischen Gesellschaft kommt eher von rechts. Aber wir wissen es ja, der Markt konnte mit konservativen und speziell auch mit faschistischen Bewegungen schon immer viel anfangen.
Ich fühle mich umstellt.

Aber ich werde nicht wegsehen. Ich werde meine letzten Jahre auf dieser Welt nicht ohne Blick auf die Realität unserer Gesellschaft leben können. Schweigen wäre das Ende.

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Die Welle

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Große Lust hatte ich nicht, mit meiner 20jährigen Tochter in diesen Film zu gehen. Da ich aber erlebt hatte, wie beeindruckt und auch entsetzt sie reagiert hatte, als sie zum ersten Mal in diesem Film war, wie sehr er sie noch lange danach beschäftigt hatte, bin ich gestern also drin gewesen.

http://www.kino-zeit.de/filme/artikel/trailer_8700_di

Mit einem gewissen Vergnügen habe ich festgestellt, dass man mit 60 doch weitaus gelassener und abgebrühter auf so einen Film reagiert als mit 20. Genervt hat mich eigentlich nur die grelle und überlaut vorgeführte Jugendszene als solche, aber geschenkt, der Film soll ja wohl nicht ältere Mütter erfreuen…

Ein Lehrer unternimmt eine Art Selbstversuch in Sachen faschistoide Gruppendynamik, kann das Experiment nicht rechtzeitig stoppen, es bekommt eine für ihn überraschende Eigendynamik und irgendwo gefällt ihm auch seine neue Rolle und die daraus erwachsende Autorität und der pädagogische Erfolg bei seinen Schülern - denn alle sind plötzlich hoch motiviert und begeistert bei der Sache.
www.spielfilm.de/kino/30912/die-welle.html
Der Weg der Gruppe führt über die Erfahrung von Gemeinschaft und Begeisterung für sie zur Erleichterung, endlich nicht mehr im Konkurrenzkampf stehen zu müssen, nicht mehr ausgeschlossen zu sein. Dann folgt die Bereitschaft, die Verantwortung an den “Führer abzugeben ” und schließlich stellt sich das allgemeine Gefühl in der Gruppe ein, besser, anders, mächtiger zu sein als alle, die nicht zu ihnen gehören. Es wächst die Gewaltbereitschaft nach außen, schließlich ist es ein Leichtes, dieser ziellosen Bewegung ein aus der Luft gegriffenes politisches, faschistisches Ziel unterzujubeln. Der Lehrer Wenger steht am Ende als der Schuldige da, als einer, der zu weit gegangen ist, der seine SchülerInnen zu Gewalt und verführt hat. Letztlich ist er für die Filmemacher aber die mutige Figur, die bereit ist, zu zeigen, was möglich ist in unserer Gesellschaft : der Schoss ist fruchtbar noch….

Eben habe ich mir das Vergnügen gemacht, die im Internet zugängliche Lehrerliteratur zur pädagogischen Einverleibung dieses Filmes zu lesen. Gar nicht so dumme Gedanken sind dabei, aber schon beim Lesen spürt man, das Schule es schaffen wird, auch hier bei Schülern den Ruf auszulösen: “Ach bitte, nicht wieder die Welle, die hängt uns jetzt schon zum Hals raus!” Die Begeisterung vieler SchülerInnen für den Film und die Art und Deutlichkeit mit der er seine Botschaft klar stellt, ohne zu moralisieren und zu bedrängen, die ich im Internet lese, könnte so wieder kaputt gehen …

Was mich aber selber beunruhigt am Film, an dem Lehrermaterial und an den Reaktionen der Jugendlichen:
Hier wird eine faschistoide Bewegung und Orientierung entlarvt und verpönt, gut, das gelingt, - aber als Alternative dazu wird nur etwas blass und blutleer von der Verteidigung der Demokratie gesprochen. Und wie bitte, sollen die heutigen ziel- und lustlosen Jugendlichen dafür Motivation bekommen? Die Appelle zur Menschlichkeit und zur Demokratie (was immer das auch sein soll) bleiben bloße Appelle, sie haben keinen Inhalt und kein Ziel , sie gehen niemandem wie ein Ruck durch den Körper und das Leben, wie es die Welle konnte. Es gibt im Film auch keinen Versuch, der demonstrierten unterdrückenden Gemeinschaftsideologie etwas entgegen zu stellen , was wirklich Solidarität und Toleranz bedeuten könnte.
Und es gibt außerdem null Ansatz, die gegenwärtige gesellschaftliche Situation infrage zustellen: Man stöhnt über das Konkurrenzdenken, über Egoismus, Nullbockstimmung und Perspektivlosigkeit der Jugend (Zitat: “Wo gegen sollen wir denn eigentlich noch protestieren?”). Aber sie und die Gesellschaft, die sie hervorgerufen hat, werden als gegeben hingenommen. als unveränderbare Phänomene. Der Eindruck wird erweckt, dass unsere Gesellschaft trotz ihrer Probleme eben doch die beste von allen ist, weil sie schließlich demokratisch ist. Und so entsteht die Vorstellung “die Demokratie, die haben wir ja in unserer Gesellschaft. Deshalb müssen wird diese Gesellschaft verteidigen” (im Zweifel am Hindukusch).

Kritik an der Ungleichheit unserer Gesellschaft, an der Allmacht des Marktes, an der Ausgrenzung von Menschen, an der Unterdrückung der Armen durch die Reichen, die kommt im Film eigentlich nicht vor.
Oder doch: Ganz am Ende findet man sie in der Rede des Lehrers am letzten Tag. Aber hier dient sie ihm als einschleichende aufpeitschende Argumentation, um schließlich bei den Wellemitgliedern die Bereitschaft “zum totalen Krieg” gegen alle Andersdenkenden herauszufordern.
Linke Gesellschaftskritik in einem Atem mit faschistischem Gebaren und faschistischem Gedankengut also. Dass die Nazis genau das versuchen, ist sicher korrekt beobachtet. Aber dass auch dieser Film linke Argumentationen, menschliche Ideale wie Gerechtigkeit und Chancengleichheit ausschließlich als trojanisches Pferd für rechte Ideologie vorführt und nutzt - das gibt mir gewaltig zu denken.

Schaltkinder

Vor 24 Jahren lag ich in der Frauenklinik und hatte um Mittag herum meinen Sohn geboren.

Es war ein großes Ereignis für die Klinik, denn er war das einzige Kind damals, das am 29. 2. 1984 in Wiesbaden geboren wurde. Er tat seinen ersten Schrei im Mittagsmagazin, die Belegschaft des Krankenhauses schenkte mir einen Riesenblumenstrauss, weil mein Sohn offenbar zum Erhalt der Kinderklinik Paulinenstift beitrug (es war damals in der Diskussion, sie zu schließen), eine Reporterin vom Wiesbadener Tageblatt besuchte uns und überhäufte meinen Sohn mit Geschenken….
Im Großen und Ganzen hat sich die astronomische Besonderheit im Leben meines Sohnes bisher nicht negativ ausgewirkt.
Aber er war immer mächtig stolz auf sein Geburtsdatum.

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mein Schaltjahrkind mit großer Schwester lange vor seinem “1.” Geburtstag.

Heute erzählt mir derselbe Sohn am Telefon, dass es in Wiesbaden derzeit 186 Menschen gibt, die an diesem Tag Geburtstag haben.

Vier Jahre später, während der Sohnemann seinen Geburtstag feierte, sass ich zwischen 8 kleinen Jungs und zählte meine Wehen. Wir hatten es nicht darauf angelegt. Aber es wäre ja eigentlich ne tolle Sache gewesen.
Aber meine Jüngste entschied sich dafür, am 2. März zu kommen mit dem klaren Anspruch auf einen eigenen Geburtstagstermin.

Den Platz im Guinnes-Buch der Rekorde glaubte ich nur ganz knapp verpasst zu haben: Beinah wäre ich Mutter von zwei Schaltjahrkindern geworden, die keine Zwillinge sind. Heute höre ich von einer Frau, die drei Kinder an diesem Tag geboren hat. Na dann ist ja gut, dass ich es nicht noch einmal versucht habe.

In Irland ist Frühling!

Eben mit meiner Jüngsten in Dublin gesprochen.

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Dort blühen die Bäume und es kommen die ersten Blätter……

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Aupair?!

Meine Jüngste macht derzeit seit 5 Monaten Erfahrungen als Aupair in Irland.

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Hier war die Welt noch in Ordnung; G. bei ihrem Segelschiffpraktikum im Sommer

Nach allem was ich so höre von ihr, scheint sich meine alte Meinung zu dieser Form von Auslandserfahrungen zu bestätigen: Vom Prinzip her stehen sich hier zwei Erwartungen gegenüber, die letztlich kaum vereinbar sind. Es kann eigentlich gar nicht wirklich klappen.

Aber G. wollte es unbedingt. Und sie wirds auch überleben, denke ich. Aber es ist nicht das, was sie sich erhofft hatte, bei Weitem nicht.
Dabei gab es in unserer Familie doch einschlägige Erfahrungen mit dem Aupair-Konzept.
* Schon meine Schwägerin ließ sich vor 40 Jahren von ihrem Bruder anrufen und mit der erlogenen Hiobsbotschaft beglücken: die Mutter sei schwer krank und sie solle sofort nach Hause kommen - denn sie hielt es nicht mehr aus.
* Und vor gut 15 Jahren eröffnete mir unser Warschauer-Aupair-Mädchen auf dem Weg zum Kindergarten, wo sie in Zukunft unsere Jüngstee jeden Tag abholen sollte: “Eigentlich hasse ich kleine Kinder!”
Mir blieb schier die Luft weg. Trotzdem hat sie später unserer Jüngsten beigebracht, Löwen zu zeichnen und hat ihr polnische Lieder beigebracht. Aber sie blieb unglücklich und schließlich trennten wir uns in gegenseitigem Einvernehmen vor der Zeit.

Trotzdem konnte meine Jüngste es also nicht lassen: Sie wollte nach dem Abitur unbedingt nach Irland. Die Aupair-Agenturen warben und es gab im Internet Jubelberichte ehemaliger Aupairs zu lesen, die meiner Tochter reizvoll schienen. Die Agentur verlangt von den Bewerberinnen vorher Nachweise über Kinderbetreuungen, was ich eigentlich sehr sinnvoll fand. G. legte los und machte diese geforderten Erfahrungen. Für mich war damals schon abzusehen, dass Beschäftigung mit Kindern nicht gerade ihre Stärke ist und ihr Interesse trifft. Sie wollte unbedingt nach Irland, ihr Englisch aufbessern, Auslandserfahrungen machen ….

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Die Küste bei Dublin

O.k.
Nun sitzt sie seit 5 Monaten in einem langweiligen, bürgerlichen Vorort von Dublin und friert. Die grüne Insel ist seit Monaten nur naß-kalt, windig und die Iren scheinen ihre Wohnungen viel weniger zu heizen, als wir es in Deutschland gewohnt sind. Die Familie sagt, sie sei die “Aufpasserin” der 8jährigen Tochter, sie putzt jeden Morgen die Küche, die die Frau des Hauses nach ihrer abendlichen Kochschlacht ziemlich putzbedürftig zurückgelassen hat usf. Klingt eigentlich ganz nett und harmlos.
Das kleine, verwöhnte Mädchen versichert einmal in der Woche, G. sei bisher ihre allerliebste Aufpasserin. Die Mutter ist eine gestresste Frau, die viel verspricht aber nicht mal die Hälfte davon einlöst. Sie behandelt meine Tochter wie ein Dienstmädchen und kann gleich darauf zuckersüß sein und ihr jede Unterstützung zusagen. Aber es ist kein Verlass darauf. eine Tochter fühlt sich eingesperrt. Sie kann nichts unternehmen, weil sie ständig in Bereitschaft sein muss und weil sie sich in der Wohnung, die sie täglich sauberhält wie eine Fremde vorkommt. Sie kann sich nie wirklich zurückziehen. Sie nimmt an den Mahlzeiten teil, aber sie hat letztlich keinerlei Familienanschluss. Die Familie unternimmt nichts gemeinsam, an dem sie dabei sein kann. Die Familie zeigt null Interesse daran, wer G. ist, was sie interessiert, was sie z.B. an Irland interessiert. .
Und da Irland wohl richtig teuer ist, ist an Aussteigen, irgendwoanders Arbeiten und vom eigenem Geld Leben und in einem eigenen Zimmer Wohnen nicht zu denken. Also bleibt sie, beißt die Zähne zusammen und lernt für ihren Englischkurs.

Es ist das alte Lied, der Grundwebfehler im Aupair-Konzept:

Die jungen Leute suchen eine Möglichkeit, sich einige Zeit kostengünstig im Ausland aufzuhalten, dort Erfahrungen zu sammeln, Leute kennen zu lernen , im Hintergrund eine Familie, die ihnen den Aufenthalt und das Hineinwachsen vielleicht erleichtert und sie nicht ganz alleine dastehen lässt….
Die Familien suchen ein billiges Dienst- und/oder Kindermädchen, keine erwachsene Tochter, keinen Gast.

Ich kann es den Familien nicht verübeln. Es ging uns ja selber so. Man ist froh, entlastet zu werden. Die Aupairs sind erwachsen. Das, so glaubt man, entlaste einen auch von sowas wie Fürsorgepflicht.

Sicher gibt es auch Aupairs, die es besser treffen und Familien, die mehr Zeit, Energie und Zuwendung auf ihre billige Dienstmagd verwenden und sie vielleicht auch als das begreifen, was sie sind: junge Menschen, die etwas erleben und dabei nicht ganz und gar alleine gelassen sein wollen. Aber vom Prinzip her stehen sich hier zwei Erwartungen gegenüber, die letztlich kaum vereinbar sind. Es kann eigentlich gar nicht wirklich klappen.