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März 2008
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Archive für 1.3.2008

Raubtierkapitalismus?

Beim Frühstück bleibt mir fast das Brötchen im Hals stecken:
Die Reporterin stellt gerade mal so nebenbei fest, dass es immer noch Menschen gebe, die noch nicht begriffen hätten, das die alte Volksweisheit nicht mehr stimme, dass es nämlich den Menschen gut gehe, wenn es den Unternehmern gut geht.

Bisher brachte man eben manches Opfer, damit die Wirtschaft floriert und schnallte bereitwillig die Gürtel enger, wenn es eine Wirtschaftsflaute gab. Dass wir alle vom Wirtschaftsgott und von seinen schwarzen Zahlen abhängen, das war ja lange schon klar. Aber jetzt machen die Unternehmen kräftig Kasse - aber denkste, das heißt noch lange nicht, dass sie deswegen automatisch auch was vom Kuchen abkriegen müssen. Verarscht!

Es wird Zeit, so meint die Reporterin, dass wir uns verarschen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken:
Siemens, Nokia,

Und Herr Lafontaine hätte deshalb etwas dramatisch das Wort Raubtierkapitalismus gebraucht., dieser Populist…
Ich möchte mich verwahren gegen diesen Vergleich. Als Tierliebhaberin kann ich ihn nicht einfach so hinnehmen:

Kein Raubtier frisst weiter, wenn es satt ist, es jagt keine Beute, wenn es für sich genug hat, es tötet nichts und niemand, wenn es das nicht muss, weil sein Magen knurrt. Es nimmt einem anderen Tier nur dann was weg, wenn es selber Hunger hat.
Aber: Obwohl man selber wunderbare Profite macht, einfach so, trotzdem oder vielleicht ja auch gerade deshalb, immer noch höhere machen wollen und dabei über andere Menschen einfach hinweggehen, über ihr Leid, ihre Bedrohung, über ihre Sorgen und Nöte, sie in die Arbeitslosigkeit entlassen, der möglichen Armut aussetzen, ihre Biografien brechen,

- sowas bringen nur Menschen fertig.

Schaltkinder

Vor 24 Jahren lag ich in der Frauenklinik und hatte um Mittag herum meinen Sohn geboren.

Es war ein großes Ereignis für die Klinik, denn er war das einzige Kind damals, das am 29. 2. 1984 in Wiesbaden geboren wurde. Er tat seinen ersten Schrei im Mittagsmagazin, die Belegschaft des Krankenhauses schenkte mir einen Riesenblumenstrauss, weil mein Sohn offenbar zum Erhalt der Kinderklinik Paulinenstift beitrug (es war damals in der Diskussion, sie zu schließen), eine Reporterin vom Wiesbadener Tageblatt besuchte uns und überhäufte meinen Sohn mit Geschenken….
Im Großen und Ganzen hat sich die astronomische Besonderheit im Leben meines Sohnes bisher nicht negativ ausgewirkt.
Aber er war immer mächtig stolz auf sein Geburtsdatum.

fotos-kinder002.jpg

mein Schaltjahrkind mit großer Schwester lange vor seinem “1.” Geburtstag.

Heute erzählt mir derselbe Sohn am Telefon, dass es in Wiesbaden derzeit 186 Menschen gibt, die an diesem Tag Geburtstag haben.

Vier Jahre später, während der Sohnemann seinen Geburtstag feierte, sass ich zwischen 8 kleinen Jungs und zählte meine Wehen. Wir hatten es nicht darauf angelegt. Aber es wäre ja eigentlich ne tolle Sache gewesen.
Aber meine Jüngste entschied sich dafür, am 2. März zu kommen mit dem klaren Anspruch auf einen eigenen Geburtstagstermin.

Den Platz im Guinnes-Buch der Rekorde glaubte ich nur ganz knapp verpasst zu haben: Beinah wäre ich Mutter von zwei Schaltjahrkindern geworden, die keine Zwillinge sind. Heute höre ich von einer Frau, die drei Kinder an diesem Tag geboren hat. Na dann ist ja gut, dass ich es nicht noch einmal versucht habe.

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