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November 2007
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Archive für 20.11.2007

Paula Modersohn-Becker

An ihrem 100. Todestag wird an sie gedacht.

Ob man ihr gerecht wird? Sie hat so viele Gesichter. Hier ein Bild von ihr, dass mich immer wieder entzückt. So eine lebendige, geradezu dramatische Tierdarstellung, man sieht es erst auf den 2.Blick…

paulahuhner.jpg

Folgende Zeilen habe ich geschrieben, nachdem ich ihre Briefsammlung gelesen hatte:

an paula becker

deine bilder waren mir immer
unheimlich.
kinder mit solchen augen!
wissend.
frauen ohne schönheit,
die freundlicherweise ablenkt
von ihrem gesicht.
wer wagt es,
so etwas zu zeigen?
und schon immer fiel es mir schwer,
wegzusehen.

nun kenne ich dich ein wenig,
deinen kampf um dich selber,
darum, endlich du zu werden.
und ich kenne sie nur zu gut,
deine gefangenschaft
unter den menschen,
die es nicht zuließen,
daß du du selber warst.

nun weiß ich es,
warum du immer wieder dich gemalt hast,
in allen gesichtern.
das war alles,
was du zu sagen hattest.
und es war sehr viel.
du hast es gewußt
und nicht geschwiegen.

dafür bewundere ich
und beneide ich dich.
du hast dich nicht unterkriegen lassen,
konntest gar nicht wirklich aufgeben,
immer wieder hast du dich ausgegraben,
durchgewühlt
und hast mit einer naivität,
für die ich dich küssen könnte,
den anderen mitgeteilt,
wie frei du dich fühltest -
ohne sie.

aber auch du hast doch,
immer noch und immer wieder
gewartet, dass da einer käme,
der an dich glauben würde.
und als keiner kam,
hast du dich einfangen lassen
von dem alten frauenschicksal:
kinder.
und daran bist du zerbrochen
und gestorben.

du hattest so viel mut,
so viel mehr mut als ich.
warum nur hat er dich verlassen.

Platz! oder die Eurasier

Unter unserer Treppe im Wohnzimmer wäre so ein schöner Platz für Anka.

anka-liegt.jpg

Aber die liegt immer irgendwo mitten im Raum, am besten so, dass man über sie stolpert und immer so, dass sie uns sehen kann.

Wie schön wäre es, wenn man zu ihr sagen könnte „Geh auf deinen Platz“ und der Hund würde brav die Szene verlassen und sich auf seinen angestammten und ihm eigenen Platz zurückziehen. Das ging mit Puschka, meiner früheren Schäferhündin wunderbar. Aber Anka hat sich seit ihrer frühesten Jugend geweigert, irgendeinen Platz als den ihren und den, wo sie im Zweifel zu sein hat, anzuerkennen.

Ich stehe sehnsüchtig im Pflanzen- und Tierbedarf-Großhandel vor den Kissen und Körben, den Kissen mit Rand, um den Hunden das Gefühl zu geben, dass sie geschützt irgendwo drin liegen, nicht nur oben drauf. Sie sind teuer, waschbar, mehr oder weniger erträglich im Design.

Anka steht neben mir und interessiert sich viel mehr für die vielen Tüten Hundefutter und die Leckerliangebote im Nebenregal.

Da spricht mich eine Frau an: „Ach hier ist ja der schöne Eurasier“. Ich bin natürlich entzückt. Wir kommen ins Gespräch. Sie hat selber zu Hause zwei Eurasier, sie kennt sich aus. Sie schafft es, sich mit der Hand Anka zu nähern, ohne das die zurückweicht, sie bewegt die Hand nicht von oben auf Anka zu mit der Handfläche nach unten sondern umgekehrt von unten mit einer nach oben geöffneten Hand. Anka protestiert nicht sondern schnuppert interessiert an der Hand und lässt sich streicheln. Ich staune.

„Ich kenne doch die Eurasier! Die sind nicht so zutraulich, haben eine ganz schöne Portion Skepsis. Da kommt der Chow-Chow raus.“

Diese Frau ist wahrhaftig eine Kennerin dieser eigenwilligen Hunderasse. Die Gelegenheit ist günstig.

Ich frage, ob ihre einen Platz zu Hause haben, einen festen Platz?

Sie lächelt etwas nachsichtig. „Nein, natürlich nicht, die sind nicht auf einen festen Platz festzulegen. Unsere haben das nie gemacht. Die liegen immer bei uns und am liebsten auf unseren Füssen. Da kommt nun wieder der Samojede raus. Bei den Eskimos schlafen die immer mit im Zelt, als Bettvorleger und im Zweifel auch mit im Bett. Diese Dinger hier sollten sie nicht kaufen, das ist reine Geldverschwendung. Das macht ein Eurasier nicht mit.“

Ich bin geplättet.

Den Kauf verkneife ich mir.

Am Abend liegt Anka wieder mitten im Zimmer, dann vor dem Tisch, dann an der Treppe aber natürlich nicht darunter, dann vor dem Kachelofen und in der Nacht genau mitten unseren Betten.
Immerhin nicht drin.

P.S. Eurasier sind eine Rasse, die aus Chow-Chow, Samojede und Wolfsspitz gezüchtet ist.

x-fl993.jpg

sus.jpg standart-v.jpg

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