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3.11.2007 von Mrs. Tapir.
Nächstes Jahr wird mein Vater 90. Da ist eine Feier mit entsprechender Feierrede fällig…
Also habe ich schon mal angefangen zu recherchieren und einen Plan zu machen..
z.B.: Wichtiger Lebensabschnitt: 1947-1950 Heimkehrerheim und später Kinderheim des Caritasverbandes in Mathildenhall, Kreis Diekholzen bei Hildesheim. Dort bin ich geboren und in diesen 2 Lebensjahren haben wir dort auf der alten Schachtanlage gewohnt. Mein Vater hat die Kriegs- und Plünderungsschäden beseitigt und dann kamen ständig neue Heimkehrer, die bei uns wohnten. Das kleine Buch mit den Danksagungen der vielen aus russischer Kriegsgefangenschaft entlassenen jungen Männer haben wir noch zu Hause, sehr beeindruckend!
Das Gelände gehörte zu einem alten Kalibergwerk. So wie ich informiert war, wurde es nach Weggang unserer Familie zu einem Behindertenheim. Als ich viele Jahre später, schon als Erwachsene dort einmal spazieren ging, war das Gelände mannshoch umzäunt und von scharfen Hunden bewacht. In Hildesheim konnte mir kein Mensch sagen, was dort in Mathildenhall im Hildesheimer Wald eigentlich los war….
Jetzt frage ich einfach mal das Internet nach Mathildenhall und traue meinen Augen nicht. Ich erfahre lauter neue und befremdende Dinge:
“Im Krieg war Mathildenhall Heeresnebenmunitionsanstalt. Hier arbeiteten vermehrt Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene
Von den Alliierten wurde 1948 die Schachtanlage an die Wintershall AG zurückgegeben. Die Förderung wurde wieder aufgenommen.
Ende 1990 wurde der Förderturm abgerissen. Derzeit werden die Schächte geflutet. Das einige Kilometer vom Schacht entfernte Arbeitslager wurde nach dem Krieg zunächst als Sanatorium genutzt, heute befindet sich dort das Kreiskrankenhaus des Landkreises Hildesheim…”
Kein Wort vom Heimkehrerheim auf der Schachtanlage ….
Ich habe das Gefühl, dass meine ersten Lebensjahre in gewissem Sinne von der Geschichte geschluckt worden sind.
Aber der nächste Rechercheschritt gibt mir den Rest:
Vor kurzem wurde das Pförtnerhäuschen der Schachtanlage Mathildenhall als neues Heim einer Bundeswehr-Reservisten-Kameradschaft eingeweiht.
Dort habe ich meine ersten Schritte gemacht. Genau da habe ich sprechen gelernt und dem Wind in den Bäumen gelauscht.
Von dem Kriegsheimkehrerheim weiß hier niemand etwas. Aber der Krieg ist jedenfalls wieder angekommen im Schacht Mathildenhall. Es wird geschossen und gefeiert und alle sehen mit sich zufrieden aus auf den Fotos.
Ich weiß nicht, ob ich heute Nacht ruhig schlafen kann.
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