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3.6.2007 von Mrs. Tapir.
Bis gegen Mittag war in Rostock alles ziemlich nach Plan verlaufen. Die Demonstranten wunderten sich über die vernagelte Stadt. Sie berichteten ein wenig erschrocken über die menschenleere und gespenstisch stille Innenstadt. Die Atmosphäre der Angst, die diese Stadt ausstrahlte passe nicht zu dem, was sich in ihren Straßen abspielte: die Demonstration verlief friedlich, bunt, gut gelaunt, fast wie ein Karneval und es kamen mit den Fernsehbildern sogar die eine oder die andere Botschaft über die Absichten und Ziele der Globalisierungsgegner rüber.
Dann die Bilder aus dem Stadthafen: Vor der Bühne die Demonstranten und am Rande dunkel gekleidete Menschen, Unruhe, Hektik, Steine werfende vermummte Menschen, rennende Polizisten und friedliche Demonstranten, die beschwörend auf die Randalierer und die Polizei einzureden versuchten. Ein Mann auf der Bühne, der fast 5 Minuten beschwörend auf die Leute einsprach, dessen Verzweiflung über die gefährliche Entwicklung man mit Händen meinte spüren zu können. Dann ein Riesen-Polizeiaufgebot, Panzerwagen, schließlich Wasserwerfer.![]()
Ab da gab es in den Medien nur noch Zahlen über Verletze Polizisten und über gewaltbereite Chaoten. Die Bilder, die um die Welt liefen bestätigten fataler Weise die Befürchtungen, die vorher bei der Bevölkerung bestanden hatten und die tagelang und durch all die Wahnsinnssicherheitsmaßnahmen geschürt worden waren. Die Demonastration, ihre Ziele, ihr friedlicher, entschlossener Anblick, ihre Kritikpunkte am G8 Gipfel, all das war nun für die Medien nichts mehr wert. Die Veranstalter rangen sichtlich um Fassung angesichts dieses Umschwungs und des scheinbaren Untergehens aller Widerstandskräfte in dem von provozierenden und die Polizeikräfte herausfordernden Gewaltchaos.
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Auf einmal ist nur noch von der abscheulichen Gewalt dieser Menschen die Rede. Und zunehmend spricht man von “den Demonstranten”, als gäbe es da eine Einigkeit oder eine Zustimmung bei der Masse der Demonstrierer mit dem Vorgehen der “Autonomen”. Alle Vorurteile über die Globalisierungsgegner, über politisch Widerstand Leistende, über Linke, über die Gegner der Globalisierung sind für den braven deutschen Bürger bestätigt. Die Rostocker, die die Flucht aus ihrer Stadt ergriffen hatten, werden froh sein, sich dazu entschlossen zu haben. Das Ziel der Demonstrationen will niemand mehr hören. Jede Kritik am G8 Gipfel ist diskreditiert, macht sich der Gewalt und des Verbrechens verdächtig.
Ich frage mich, wem diese Eskalation genutzt, wem sie gedient hat. Und ich frage mich, wer sich darüber wohl offen oder heimlich gefreut haben mag.
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3.6.2007 von Mrs. Tapir.
In der beim vorletzten Posting zum Thema schon erwähnten PISA-Studie taucht eine „Risikogruppe von knapp 25% aller Jugendlicher auf, die etwa zur Hälfte aus Migrantenkindern und zur Hälfte aus deutschen Kindern besteht. Diese Jugendlichen erreichen in Deutschland nicht bzw. nicht wirklich eine Schulqualifikation, wie sie ein Hauptschulabschluss darstellt. Damit hat diese Gruppe innerhalb unserer Gesellschaft die denkbar schlechtesten Berufs- und Zukunftschancen.
Zusammen mit dem schon erwähnten Ergebnis können wir ganz grob davon ausgehen, das etwa ein Viertel unserer Kinder mit schlechten familiären Voraussetzungen in die Schule startet, um dann im Verlaufe seiner Schullaufbahn zunehmend zu versagen und den bildungsmäßigen Anschluss zu verpassen.
Unser Schulsystem reagiert auf diese Ausgangsbedingungen einer so großen Zahl scheinbar nicht wirklich schulfähiger Kinder wenig engagiert. Man macht schulischerseits den Eltern Vorwürfe dafür, dass sie ihre Kinder nicht besser vorbereitet haben.
Eine frühkindliche öffentliche Erziehung könnte hier Mängel der familialen Erziehung und Förderung kompensieren und ausgleichen.
Dass sich gerade die Familien dieser Kinder nicht um die Krippenplätze reißen werden, ist aus verschiedenen Gründen zu befürchten.
Aber wenn das auch noch mit Geld honoriert würde, hätte z.B. ein Mitarbeiter des Jugendamtes keine Chance mehr , eine Familie für eine angemessene Förderung des Kindes notwendigen Krippenbesuch zu erwärmen:
Viele brauchen das Geld dringend. Eine Akademikerfamilie wird sich von 150 Euro nicht beeindrucken lassen. Für eine Familie, die von Hartz IV lebt, sind diese 150 Euro ein echtes Argument.
Anderen wiederum fehlt die Bildungsvoraussetzung und das Verständnis für die Notwendigkeit und die Unterstützung, die eine solche Förderung für ihr Kind bedeuten würde.
Statt nun diese Tendenz auch noch zu unterstützen und damit die Risikogruppe und den korrelativen Zusammenhang zwischen bildungsfernem Milieu und mangelndem Schulerfolg noch weiter in die Höhe zu treiben, wäre eine totae Kehrtwende in der Bildungspolitik gegenüber diesen Kindern und ihren Familien notwendig:
Denn auch Politiker, denen es nicht um Chancengleichheit und Menschenwürde und um soziale Gerechtigkeit der Betroffenen geht, müssten doch zumindest allmählich einmal kapieren, welche enormen Bildungsreserven in unserer Gesellschaft ungenutzt vor die Hunde gehen, weil die Gesellschaft die Kinder dieser gesellschaftlichen Schichten und Gruppen auf ihren schlechten Voraussetzungen einfach hocken lässt.
Statt diesen Familien Vorwürfe zu machen und sie immer weiter auszugrenzen, sollte sich unsere Gesellschaft zudem fragen lassen, wie es dazu kommt, dass in solchen Größenordnungen Familien ihren Kindern heute keine ausreichende kognitive Förderung angedeihen lassen und warum diese Menschen in hohem Masse sozial benachteiligt sind. Ich denke, unsere Gesellschaft produziert solche Lebenslagen erst und dann grenzt sie die Menschen einfach aus.
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