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27.4.2007 von Mrs. Tapir.
Jena
Ich bin der letzte Spross meiner Eltern. Als sie sich kennen lernten, wollte meine Mutter unbedingt einen Teddy mit so schwarzen, graumelierten Haaren haben, so wie mein Papa sie hatte. Damals war mein Papa so verliebt, dass er diesen Wusch einer älteren Dame noch nicht für peinlich hielt. Vielleicht hat er sich auch nur Mühe gegeben, es nicht zu zeigen. Und so haben sie zuerst im exklusiven Bären-Shop an der Jacobikirche gesucht, aber nichts Passendes gefunden. Ich stamme schlicht von Globus und habe alle Wunsche erfüllt.
Meine beiden Alten haben also erst vor 5 Jahren noch mal neu angefangen. Es wird ja nicht einfacher mit den Jahren und überhaupt pflegen Menschen in Sachen Liebe immer wieder die gleichen Fehler zu machen. Ich glaube, einer muss hier darauf achten, dass sie halbwegs bei der Stange bleiben. Und wenn es eben nur so „Übergangsobjekt“ ist wie ich, das immer nur in der Gegend herumsitzt, alles sieht und hört und sich seinen Kuscheltierreim darauf macht…
Meine Mutter ist schon immer ein Kuscheltier-Fan gewesen. Aber nachdem ihre 3 Kinder aus dem Hause sind samt den blauen Säcken mit ca. 300 Kuscheltieren, bin ich übrig geblieben und so ein uraltes Exemplar, das schon 52 Jahre zählt und immer noch mit wackeligem Kopf bei uns auf dem Sekretär herumsitzt.
Aber wir beide haben uns geeinigt, dass ich hier die fällige Hofberichterstattung übernehme, ich der Sohn der Liebe.
Man wird von mir hören…
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27.4.2007 von Mrs. Tapir.
Jena,
Wieder ein einsames Wochenende. Ich habe zu tun und ich habe dennoch Zeit. Wenn ich in die Stadt gehe, um einmal unter Menschen zu sein, duften die Straßen überwältigend intensiv nach Flieder.
Meine jüngste Tochter hat heute ihren letzten Schultag, auch für mich ein Grund zu feiern: 3 Kinder durch deutsche Schulen hindurch bekommen zu haben, das ist schon eine Leistung. Da weiß man sozusagen, was man hinter sich hat.
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Im Sommer wird G. diese Stadt verlassen. Und obwohl sie seit 4 Jahren nicht mehr bei mir sondern bei ihrem Vater lebt, werde ich mich sehr einsam fühlen. Zur Zeit ruft sie täglich an und erzählt mir ihre Schulneuigkeiten, ihre Aufregungen bei der Suche nach männlichen Wesen, in die sie sich verlieben könnte, dass sie endlich wieder mal ihr Zimmer aufräumen müsste.
Als die beiden älteren Jena verließen, hatte ich keinerlei Trauergefühle. Jetzt wird es mich erwischen, fürchte ich und ich sehe mich schon heulen wie die Mütter bei der Hochzeit ihrer Kinder.
Schon damals, als sie sich entschlossen hatte bei ihrem Vater zu wohnen, hatte ich dieses Trauergefühl:
Nun bist du wirklich fort
Die Sonne scheint durch alle meine Räume,
die fortan nur noch mir gehören werden.
Die Glotze schweigt. Die Bilderflut ist fort.
Die schrillen Töne sind mit dir verweht.
Hier sieht es nicht mehr wie ein Schlachtfeld aus
und alle Tuben werden wieder zugedreht.
Ich habe meine Freiheit für ein neues Leben.
Das Muttertier ist seine Jungen los.
Die gehe fröhlich durch die aufgeräumten Zimmer und
merke plötzlich ich, dass ich weinen muss.
Da ist dein Buch, dort finde ich noch eine Socke,
hier liegt ein Zettel, der ist noch von dir.
Du wirst mich morgen doch besuchen kommen?
Komm wenigstens mal nächste Woche her zu mir!
Ich werde es bestimmt vermissen, wie du am Morgen
dein langes Haar zum Zopf zusammenfasst,
und wie du dann den schweren Rucksack schulterst
und sicher wieder irgendwas vergessen hast.
Am Fenster werde ich wohl manchmal stehen
und denken, dass dort hinten meine Tochter geht.
Zum Telefon werd ich herüberstarren,
mich immer wieder fragen, wie es um dich steht.
Dann werd ich durch die stille Wohnung wandern,
wo alle Stühle immer noch so stehn, wie ich es mag,
werd Fotos anschaun, werde an dich denken
und bitter weinen wie an diesem Abschiedstag.
Dennoch, die letzten drei Jahre war sie mir näher als in den Zeiten davor, als wir zusammen lebten.
Das ist in 2 Monaten für immer vorbei.
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